Katzen beschäftigen: Der Schlüssel zu mehr Harmonie

Warum artgerechtes Spielen der Schlüssel ist, um Katzen richtig zu beschäftigen

Die unterschätzte Ursache für Stress, Unruhe und Missverständnisse

Stellen wir uns einmal folgende Situation vor: Du möchtest deine Katze beschäftigen, doch anstatt begeistert mitzuspielen, reagiert sie ganz anders, als du es erwartet hast.

Katzen beschäftigen – aber richtig!

Vielleicht hast du so eine Situation schon einmal erlebt: Minki döst friedlich vor sich hin, als plötzlich eine scheinbar gefährliche Beute angeflogen kommt.

Aus Minkis Sicht:

Die vermeintliche Beute nähert sich immer weiter, doch sie wirkt weder klein noch verwundbar – sondern viel zu groß und bedrohlich. Durch ihr unvorhersehbares, angriffslustiges Verhalten scheint sie eher gefährlich als lohnenswert.

Instinktiv erkenne ich, dass es sicherer ist, den Kampf nicht aufzunehmen, also ziehe ich mich vorsichtig zurück.

Genau hier zeigt sich, wie wichtig es ist, Katzen richtig zu beschäftigen, indem das Spiel ihre natürlichen Instinkte anspricht und nicht abschreckt.

Doch dann geschieht es: Die Beute kommt direkt auf mich zu, bedrängt mich, fliegt mir sogar auf den Kopf und die Nase! Ich verziehe die Miene, drehe meinen Kopf weg und wehre mich mit meinen Pfoten.

Nach einigen Schlägen kann ich sie endlich in die Flucht schlagen. Puh, was war das für eine seltsame und aggressive Beute? Hoffentlich kommt sie nicht bald wieder…

Jetzt versetzen wir uns in die Lage des Katzenhalters:

Du wolltest eigentlich nur mit deiner Katze spielen und sie beschäftigen.
Voller Freude schwingst du die Spielangel hin und her, doch anstatt begeistert hinterherzujagen, zieht sich deine Katze zurück, schaut weg oder schlägt nur genervt mit der Pfote nach dem Spielzeug. Nach ein paar Minuten verlässt sie frustriert den Raum.

„Wieso hat sie denn keine Lust zu spielen?“

„Mache ich etwas falsch?“

„Ist meine Katze einfach nicht verspielt?“

Was viele Katzenhalter nicht wissen: Nicht jedes Spiel ist für eine Katze automatisch spannend – und nicht jedes Spielzeug wird als „Beute“ wahrgenommen.

Viel zu oft werden Katzen mit plötzlichen, hektischen Bewegungen „überspielt“. Was aus unserer Sicht unterhaltsam wirkt, kann für die Katze jedoch verwirrend, bedrohlich oder schlicht uninteressant sein.

Um Katzen richtig zu beschäftigen, ist es entscheidend, ihr Jagdverhalten zu verstehen und das Spiel darauf abzustimmen.

Doch genau hier liegt der Schlüssel:

Katzen artgerecht zu beschäftigen bedeutet, ihr Jagdverhalten zu verstehen und das Spiel gezielt darauf abzustimmen.

Wenn deine Katze nicht spielt, unruhig ist oder nachts randaliert, liegt es oft nicht daran, dass sie kein Interesse hat. Vielmehr fehlt ihr etwas Entscheidendes:

Ein Spiel, das ihren natürlichen Instinkten entspricht.

Wie du das schaffst, erfährst du hier.

Katzen richtig zu beschäftigen durch artgerechtes Spielen ist die Basis für eine glückliche und ausgeglichene Katze.

Das war natürlich eine sehr überspitzte Darstellung und Geschichte eines Angelspiels mit einer Katze, das aus mehreren Gründen nicht ihren artspezifischen Bedürfnissen entsprach.

Katzen prägen sich solche Erfahrungen sehr genau ein. Wenn sich die Beute unnatürlich bewegt, kann das Spiel für sie frustrierend sein und als negative Erfahrung abgespeichert werden.

Aus unserer Menschensicht behalten wir uns diese Spieleinheit als etwas Positives in Erinnerung, weil wir beobachtet haben, dass die Katze nach der Beute gepfötelt hat und vielleicht auch umhergesprungen ist.

Wir speichern es als „meine Katze hat sich bewegt, also hat sie auch gespielt“ ab.

Das ist aus Menschensicht natürlich ganz normal, denn eine Bewegung bedeutet für uns, dass eine gewisse Aktivität vorhanden war und wir interpretieren diese Aktivität als Freude oder ein Interesse am Spielen.

Eine andere Sichtweise wäre, wenn wir beobachten, dass sich die Katze während der Spieleinheit gar nicht aktiv bewegt. Dann würden wir es so interpretieren: „Meine Katze hat sich nicht bewegt, also war sie nicht am Spiel interessiert.“

Eine Folge davon ist bei vielen Katzeneltern dann, dass sie die Beute bzw. den Anhänger noch energischer und wilder bewegen.

Wie könnte diese Geschichte anders aussehen?

Wie würde sich das Angelspiel anfühlen, wenn es wirklich artgerecht wäre und deine Katze richtig beschäftigt, indem es ihre natürlichen Instinkte berücksichtigt?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, müssen wir ganz an den Anfang zurück und uns das verborgene Wesen einer Katze genauer ansehen:

Denn „artgerechtes“ Spielen bedeutet, dass wir mit Katzen auf eine Art und Weise spielen, die ihren artspezifischen Bedürfnissen entspricht.

Wir müssen gewissermaßen zurück zum Ursprung, alles zurückspulen und uns zunächst in den Kopf einer Katze, eines Jägers, versetzen.

Katzen sind Lauerjäger und als solche in der freien Natur perfektionierte Jäger. Sie verbringen dort täglich mehrere Stunden mit jagdtypischen Verhaltensweisen wie dem Orten, Lauern und Anspringen ihrer Beute. 

Dabei setzen sie all ihre Sinne ein und fangen zwischen 10 und 15 Mäuse pro Tag. Dieser hohe Aktivitätsgrad ist notwendig, um satt zu werden. Katzen haben sich über Hunderte von Jahren biologisch darauf spezialisiert, ihre Beute aufzuspüren und erarbeiten sich so täglich aufs Neue ihr Futter.

Alle Katzen tragen diesen angeborenen Jagdinstinkt in sich. 

Die Motivation zu jagen zählt zu den Grundbedürfnissen und ist ein sehr starker Drang, der auch bei unseren heutigen Stubentigern nicht verloren geht.

Katzen artgerecht und bedürfnisorientiert beschäftigen: So wird Spielen zum Jagderlebnis

Artgerecht und bedürfnisorientiert zu spielen bedeutet vor allem, eine Beutejagd mit einer Katzenangel so realistisch wie möglich nachzuahmen.

Wenn wir uns in die Rolle eines Jägers versetzen und wirklich verstehen, worum es bei der Jagd für die Katze, aber auch für ein Beutetier geht, wird das Spiel viel realistischer und instinktiver.

So entsteht eine erfüllende und positive Spieleinheit, die Erfolgserlebnisse schafft und deiner Katze echte Glücksgefühle bereitet.

„Für ein artgerechtes und erfüllendes Spiel, das Katzen richtig beschäftigt, ist es wichtig, zwei Perspektiven zu verstehen. Die Sichtweise des Jägers und die des Beutetiers.“

Warum sind beide Perspektiven so wichtig, um Katzen artgerecht zu beschäftigen?

Wenn wir uns beim Spielen nur auf die Katze konzentrieren – wie sie sich bewegt und herumhüpft – und dabei die Sicht des Beutetiers außer Acht lassen, kann das problematisch sein.

Bewegt sich der Anhänger der Katzenangel unnatürlich, mag das für uns Menschen zwar amüsant wirken, doch für die Katze ist es nicht wirklich befriedigend.

Konzentrieren wir uns dagegen nur auf den Anhänger, also die Beute, übersehen wir schnell das Verhalten der Katze und ihre Bedürfnisse als Jäger, wie das Lauern und Verstecken.

1. Die Perspektive eines Beutetiers

Stellen wir uns vor, wir wären eine Maus. Als Maus würden wir versuchen, kaum gesehen zu werden. Wenn wir einmal über ein Feld huschen, dann schnell und gleich wieder ins Versteck, ohne direkt vor die Nase des Jägers zu laufen oder auf dessen Kopf zu hüpfen.

Für die Beute ist das Versteck die sicherste Wahl.

2. Die Perspektive eines Jägers

In der freien Natur streift die Katze umher, nimmt mit ihren Sinnen die Umgebung auf, lauscht und ortet ihre Beute, selbst wenn sich eine Maus unter der Erde verbirgt. In der Natur sind Verstecke wie Hügel, Bäume, Äste, Büsche, hohes Gras, Erdlöcher und vielfältige Strukturen überall präsent.

Hier muss die Katze strategisch vorgehen, um ihre Beute zu erreichen, ohne selbst entdeckt zu werden. Die Jagd dreht sich um Tarnung, Geduld, das Warten und Lauern, das Beobachten und den perfekten Moment für den Angriff zu wählen.

Die Kombination der Perspektiven ist der Schlüssel, um Katzen artgerecht zu beschäftigen und ihr Spielverhalten instinktiv ansprechend zu gestalten.

Wenn wir diese Bedürfnisse eines Jägers und einer Beute verstehen und kombinieren, entsteht ein überaus erfüllendes Jagdspiel. Dies ermöglicht es, das Spiel sowohl realistisch als auch instinktiv ansprechend zu gestalten, was zu einer bereichernden Erfahrung für die Katze führt.

Die Kombination aus der Perspektive eines Jägers und der eines Beutetiers bildet die grundlegende Basis, um Katzen artgerecht zu beschäftigen und ein faszinierendes Spiel zu schaffen, das ihre natürlichen Instinkte anspricht.

Indem du diese beiden Sichtweisen in das Spiel integrierst, schaffst du ein Jagderlebnis, das spannend und dynamisch ist. Gleichzeitig bietest du deiner Katze eine artgerechte Möglichkeit, sie sinnvoll zu beschäftigen und ihre Instinkte auszuleben

Der ganze Reiz geht verloren, wenn die Beute unnatürliche Bewegungen macht und spannende Versteckmöglichkeiten fehlen.

Warum sollte sich eine Katze als Jäger die Mühe geben, wenn sie weiß, dass sie sofort gesehen wird, keine Tarnung vorhanden ist, und die Beute ihr ohnehin ständig direkt vor die Nase läuft? Deshalb bemüht sich die Katze nicht weiter.

Oft interpretieren wir Menschen dieses Verhalten fälschlicherweise als Faulheit oder Desinteresse am Spielen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Unsere Katzen sind instinktive Lauerjäger und haben ein grundlegendes Bedürfnis zu jagen.

Wenn wir das Wesen unserer Stubentiger verstehen, können wir das Spiel viel spannender gestalten und die Katze zum Spielen animieren.

Die folgenden Spieltipps im Teil 2 sind darauf ausgelegt, diese Erfahrung noch weiter zu vertiefen und zu vervollständigen.

Autorin: Julia Mihatsch

  • Studierte Biologin
  • Entwicklerin & Gründerin von Little Predators
  • MSc Human - Animal Interaction
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